Montag, 22. Januar 2018

Jupee - Jorge kommt!


Visa ist da!!! 

 Mehr als Kirchenbank am Sonntagmorgen

Wir haben im November 2017 einen Gast: Jorge Vilarrubia Acosta aus der Reformierten Kirchgemeinde San Nicolás in Kuba. Der 28jährige Elektroningenieur und Kirchgemeinderat ist Teil der Jugend-Partnerschaft Together. Gefragt, warum er sich für dieses Projekt engagiert, schreibt er:

Am Anfang stand eine Idee: gemeinsam die Lebenssituation jener Menschen verbessern, die in San Nicolas unter prekären Umständen und unter dem Existenzminimum leben. Heute, fast 9 Jahre später, sage ich mit Überzeugung: Es ist viel mehr aus dieser Idee geworden, als ich mir am Anfang je hätte vorstellen können.

“Obrando para el Prójimo” – Arbeiten für den Nächsten - oder Together, wie es bei Euch heisst, hat uns verändert: Innerhalb der Realitäten, die wir nicht ändern können, sehen wir nun die Möglichkeiten, die wir sehr wohl haben.

Während die Jugendlichen in Solothurn Kuchenstände und Benefizkonzerte organisieren, wird in Kuba ebenfalls gearbeitet: Wir putzen, reparieren, jäten, tragen warme Mahlzeiten aus. Und wir beobachten, wie dadurch immer mehr Jugendliche sensibel werden für die wahre Armut in unserer Mitte. Wir alle leben in Kuba unter materiellen Einschränkungen. Nun sehen wir: im Vergleich zu den Ärmsten sind die meisten von uns immer noch reich. Wir realisieren, dass wir etwas tun können und nicht so ohnmächtig sind, wie wir meinten. Wir beginnen zu glauben, dass wir selbst Lösungen finden können, und dieser Glaube ist Teil unserer Spiritualität geworden.

Diese Veränderung in uns selbst wurde ausgelöst durch den Zusammenhalt von jungen Menschen, die in so verschiedenen Kirchen und Kulturen zu Hause sind. Jede Gruppe – wir und Together - arbeitet in ihrem Land für sich, getrennt, und erst zweimal konnten wir gemeinsam in Kuba soziale Arbeit verwirklichen. 
Aber diese zwei Begegnungen waren so kraftvoll, so nachhaltig – und das, was diejenigen, die dabei waren, davon erzählen, ist so lebendig – dass sich neue Jugendliche auf beiden Seiten anschliessen. Die persönlichen Begegnungen und das Wissen um die anderen weit über dem Meer, die mit derselben Vision im Leben unterwegs sind, gibt uns die Kraft, dran zu blieben und weiter zu machen. 

Jorge vorne in blauen Arbeitskleidern
Es waren bereits mehrmals Reisegruppen aus der Schweiz in San Nicolas, um unser Sozialprojekt zu besichtigen. Ihr Interesse wird wach, wenn ich erkläre, dass dies alles nur möglich ist, weil ein Band der Solidarität besteht mit Jugendlichen in Solothurn. Inzwischen versuchen auch andere Kirchgemeinden in Kuba ähnliches aufzubauen. So entstehen weitere Partnerschaften.
Das wichtigste aber ist, zu erleben, wie Menschen ihre Sicht von Kirche ändern: Kirche nicht als Bewahrerin von Tradition, wo man nur am Sonntagmorgen hingeht. Dass Kirche weit mehr ist, als in einer Kirchenbank zu sitzen. Erkennen, dass es nicht die Aufgabe der Kirche ist, sich Sorgen zu machen, sondern aktiv nach Lösungen zu suchen! Das lässt hoffen …

Auf ein persönliches Kennenlernen

Jorge Vilarrubia Acosta


(dt. Übersetzung Alexandra Flury-Schölch)
Artikel im reformiert. 2017/11

Text in Originallänge auf www.reformiert-solothurn.ch/together

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